Sexuelle Ausbeutung
Sexuelle Ausbeutung in der Kindheit und Jugend
Sexuelle Ausbeutung von Kindern ist eine schwere Form von Gewalt, die meist im Verborgenen stattfindet. Lesen Sie mehr zu den Hintergründen und Folgen.
Grundlagen
Als sexuelle Ausbeutung von Kindern (oder Jugendlichen) werden sexuelle Handlungen vor oder an Kindern verstanden, die entweder gegen deren Willen vorgenommen werden oder bei denen betroffene Kinder aufgrund ihrer emotionalen oder kognitiven Unterlegenheit nicht in der Lage sind, diesen Handlungen wissentlich zuzustimmen, sich zu verweigern oder sich zu wehren. Diese Handlungen reichen von sexualisierten Blicken bis hin zu Vergewaltigungen.
Sexuelle Ausbeutung entsteht aus ungleichen Machtverhältnissen. Kinder sind aufgrund ihrer Entwicklung auf Schutz und Fürsorge angewiesen und dadurch emotional und existenziell abhängig von erwachsenen Bezugspersonen. Oft verstehen sie ihr Recht auf persönliche und sexuelle Grenzen noch nicht vollständig. Erwachsene können ihre Macht und die Unerfahrenheit und die Verletzlichkeit von Kindern ausnutzen. Und sie können Kinder dazu bringen das Erlebte zu verschweigen, etwa indem sie Angst und Schuldgefühle erzeugen, z. B. sagen „Es würde die niemand glauben.“ „Du wolltest es doch auch.“ „Wenn das jemand erfährt, dürfen wir uns nicht mehr sehen.“
Sexuelle Ausbeutung findet vor allem durch vertraute Erwachsene statt, aber auch durch Jugendliche oder ältere Kinder. Studien zeigen: Jedes dritte bis fünfte Mädchen und jeder sechste bis zehnte Junge erlebt zwischen dem ersten und 16. Lebensjahr sexualisierte Gewalt. Die Dunkelziffer ist hoch – viele Fälle bleiben verborgen .
Sexuelle Ausbeutung kommt in allen gesellschaftlichen Schichten und kulturellen Kontexten vor. Kinder und Jugendliche jeden Alters und Geschlechts können betroffen sein. Ein einzelnes Ereignis kann für Betroffene bereits ernsthafte Folgen haben – in vielen Fällen geschieht die Ausbeutung jedoch über längere Zeit, manchmal über Wochen, Monate oder sogar Jahre hinweg. In manchen Fällen setzt sie sich bis ins Erwachsenenalter fort.
Studien zeigen: Etwa jedes dritte bis fünfte Mädchen und jeder sechste bis zehnte Junge erlebt zwischen dem ersten und 16. Lebensjahr sexualisierte Gewalt. Die Dunkelziffer ist hoch – viele Fälle bleiben verborgen .
Sexuelle Ausbeutung kommt in allen gesellschaftlichen Schichten und kulturellen Kontexten vor. Kinder und Jugendliche jeden Alters und Geschlechts können betroffen sein. Ein einzelnes Ereignis kann für Betroffene bereits schwere Folgen haben – in vielen Fällen geschieht die Ausbeutung jedoch über längere Zeit, manchmal über Wochen, Monate oder sogar Jahre hinweg. In manchen Fällen setzt sie sich bis ins Erwachsenenalter fort.
Sexuelle Übergriffe durch Kinder
Die Grenze zwischen Doktorspielen und sexuellen Übergriffen mag nicht immer leicht erkennbar sein.
Ein Übergriff kann geschehen, wenn ein Kind die Stoppsignale eines anderen nicht beachtet, aber auch indem es gezielt Macht über ein anderes Kind ausübt. In Gruppenspielen kann es zudem schwierig sein, «Nein» zu sagen.
Schmerzhafte Handlungen, Penetrationen und orale Sexualpraktiken sind immer als Übergriff zu werten, da sie die Kinder überfordern, verletzen und ihre Entwicklung beeinträchtigen. Übergriffiges Verhalten von Kindern entsteht oft aus eigenen Ohnmachts- oder Gewalterfahrungen, aus Überforderung, Frustration oder dem Wunsch nach Kontrolle.
Für betroffene Kinder sind die Gründe für das übergriffige Verhalten jedoch unwesentlich. Die möglichen Folgen bleiben dieselben wie bei einem Übergriff durch eine ältere Person. Sie können sogar noch komplexer sein: Denn wenn die tätliche Person zum Zeitpunkt des Übergriffs selbst jung war, ist es für Betroffene noch schwieriger, die Handlungen und deren Folgen rückblickend einzuordnen – und oft bleibt das bis ins Erwachsenenalter so.
Wichtig ist: Auch wenn Kinder für ihr Verhalten noch nicht die volle Verantwortung tragen können, müssen erwachsene Bezugspersonen klar benennen, dass das verletzende Verhalten nicht in Ordnung war und dass Grenzen gibt, die respektiert werden müssen.
Sexuelle Ausbeutung durch Geschwister
Rund 80 % aller Kinder wachsen mit Geschwistern auf. Dass sexuelle Übergriffe auch innerhalb der Geschwisterbeziehung vorkommen, ist noch wenig bekannt und wird oft übersehen.
Wie bei anderen Kindern kann es auch zwischen Geschwistern zu spielerischen körperlichen Erkundungen kommen, die Teil der normalen Entwicklung sind. Sexuelle Übergriffe durch Geschwister haben damit jedoch nichts zu tun – sie sind eine Form von Gewalt, bei der Macht, Vertrauen oder emotionale Bindung missbraucht werden. Nicht selten wandeln sich einvernehmlich begonnene sexuellen Handlungen zu machtorientierten sexuellen Übergriffen.
Kinder, die sexuelle Ausbeutung durch Geschwister erleben, fühlen sich häufig beschämt, schuldig und isoliert. Viele schweigen aus Angst, die Familie zu belasten oder aus Loyalität gegenüber dem tätlichen Geschwister.
Auch für Eltern ist eine solche Situation sehr belastend. Nicht selten reagieren sie mit Unglauben, Verharmlosung oder Überforderung. Umso wichtiger ist es, dass betroffene Familien fachliche Unterstützung erhalten. Im Mittelpunkt stehen dabei stets der Schutz und die Sicherheit des betroffenen Kindes.
Folgen sexueller Ausbeutung
Sexuelle Übergriffe werden von Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedlich erlebt. Faktoren wie der individuelle Entwicklungsstand, die Persönlichkeit, die Art der Handlungen und die Häufigkeit der Übergriffe sowie die Beziehung und Nähe zur ausbeutenden Person spielen eine Rolle. In der Regel greift die Erfahrung tief in das Leben und die Entwicklung eines Kindes ein und verletzt sein Selbstwertgefühl, seine körperliche und psychische Integrität sowie sein Vertrauen in sich selbst und in andere Menschen.
Die Folgen solcher tiefgreifenden Erfahrungen können sich bis ins Jugend- oder Erwachsenenalter auswirken und auf verschiedene Lebensbereiche einen Einfluss haben. Es können Traumafolgestörungen entstehen, welche die Lebensqualität oft erheblich beeinträchtigen.
Was ist ein Trauma?
Als traumatisch gelten Erlebnisse, die eine existentielle Bedrohung für die körperliche oder seelische Integrität darstellen. Solche Erlebnisse rufen oft extreme Hilflosigkeit und Ohnmacht hervor – Gefühle also, welche die vorhandenen Bewältigungsmechanismen übersteigen und wesentliche Faktoren für das Entstehen von Traumafolgestörungen darstellen.
Auswirkungen einer Traumafolgestörung können beispielsweise spezifische oder generalisierte Ängste sein. Eine chronische Übererregung des Körpers (Hyperarousal) zählt ebenfalls dazu wie die daraus resultierenden Symptome wie Schlafstörungen, erhöhte Reizbarkeit oder Erschöpfung. Ebenso können sich Traumafolgen in sogenannten Flashbacks (dem Wiedererleben der Situation), durch emotionale Taubheit oder durch die Vermeidung von Reizen äussern.
Verdacht auf sexuelle Ausbeutung
Sexuelle Ausbeutung von Kindern geschieht meist im Verborgenen und ist deshalb schwer zu erkennen. Oft gibt es keine sichtbaren Spuren. Die Anzeichen sind meist unspezifisch; sie können, müssen aber nicht auf sexuelle Ausbeutung hinweisen.
Ein Verdacht kann entstehen, wenn ein Kind z.B. ein auffällig sexualisiertes Verhalten zeigt, sich plötzlich stark zurückzieht oder sehr distanzlos wirkt, häufig traurig, ängstlich oder gereizt ist, über körperliche Beschwerden klagt – etwa Schmerzen im Genitalbereich –, wenn es Verletzungen hat, die nicht erklärbar sind, oder Andeutungen oder Aussagen macht, die auf sexuelle Ausbeutung hinweisen könnten.
Bei einem Verdacht, dass ein Kind sexuelle Ausbeutung erlebt, ist es wichtig, folgendes zu beachten:
- Zuhören, wenn das Kind etwas erzählt. Es ernst nehmen, ohne es auszufragen oder zu bedrängen. Aussagen wortgenau notieren.
- Nur offenen Fragen stellen (z. B. Wo wart ihr da?), um die Antworten des Kindes nicht zu beeinflussen, sogenannte Suggestivfragen zu vermeiden wie z. B. „Hat er das mehrmals gemacht?“
- Das Kind unterstützen und stärken. Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen helfen dem Kind mit allfälligen Erfahrungen als Opfer und den damit verbundenen Gefühlen umzugehen.
- Konfrontationen mit der mutmasslich tätlichen Person vermeiden.
- Vor weiteren Schritten Beratung einholen.