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Trauma erinnern

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Im Rahmen meiner journalistischen Arbeit unterhalte ich mich regelmässig mit Mitarbeitenden eines grösseren Betriebs m Kanton Zürich. Frauen und Männer erzählen mir in einem etwa einstündigen Gespräch aus ihrem Leben, von einst und von heute, und ich bringe das Gehörte dann zu Papier.

Wenn ich meinen Gesprächspartnerinnen und -partnern dann den in Ich-Form gehaltenen Bericht, mit dem sie sich in der Hauszeitung den rund 300 Kolleginnen und Kollegen näher vorstellen werden, zur Prüfung vorlege, ist das stets ein schöner Moment. Immer wieder erlebe ich mit, wie beglückend es sein kann, sich selber in Worten dargestellt zu finden, sich zu erkennen in einer persönlichen Lebenserzählung. «Das bin ich!» Es geht um Identität, um ein Sich-Zeigen, um Verortung im Strudel der Zeit, um Daheimsein bei sich selber. Möglich macht das unser explizites Gedächtnis – mehr dazu auf den folgenden Seiten.

Der Schwerpunkt des vorliegenden Themenhefts liegt allerdings auf unserem Umgang mit Ereignissen, deren schmerzliche Wucht zu gross ist, als dass das Gehirn sie auf normale Weise «ablegen» könnte. Das CASTAGNA-Team hat dafür betroffene Personen und weitere Fachleute nach ihren Erfahrungen mit Erinnerungen an traumatische Ereignisse gefragt. Ihre Berichte finden Sie in diesem Heft; ihnen allen sei herzlich gedankt. Ergänzend geben die CASTAGNA-Beraterinnen selber Einblick in die in ihrer Arbeit gesammelten Erfahrungen und fassen zudem den allgemeinen Stand der Erkenntnisse zusammen.

Traumatische Erinnerungen werden nur fragmentiert gespeichert; die Betroffenen tragen in der Folge rohe, kantige, verstörende Erinnerungssplitter in sich herum, die sich oft nicht einordnen und benennen lassen. «Was im Kopf nicht auszuhalten ist, lässt sich nicht in Worte fassen und berichten», schreibt eine der Autor(innen) des Themenhefts. Gleichzeitig drängen diese Splitter jedoch an die Oberfläche, wollen «erlöst» und Teil des roten Fadens werden, den wir durch unser Leben legen. Ein langer, schmerzlicher Prozess, der oft zusätzlich erschwert wird durch ein «Nicht-glauben-Wollen», durch Anzweifeln der Erinnerungen durch Dritte und durch sich selbst.

Aber auch wenn es nirgendwo festgeschrieben ist: Es gibt ein Menschenrecht auf die eigenen Erinnerungen. Es gibt ein Recht auf die Auflösung quälender Bilder und Gefühle und auf ihre Integration in die eigene Geschichte. Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein CASTAGNA unterstützen Sie die Arbeit der Beratungsstelle und tragen so dazu bei, dass Betroffene mit kundiger Begleitung und in ihrem eigenen Tempo zu einer neuen, beglückenden Ganzheit finden können.

Ursula Binggeli
Vorstand Beratungsverein CASTAGNA

Kontaktiere uns 044 360 90 40
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