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Beratung von traumatisierten Jugendlichen

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Manchmal sind es sogenannte Details, die besonders intensiv haften bleiben. So ist es mir bei der Lektüre der Beiträge ergangen, die Sie auf den folgenden Seiten finden. Beratung von traumatisierten Jugendlichen – das Thema deckt ein sehr breites Spektrum von Erfahrungen, Problemstellungen und Lösungsansätzen ab. Wenn ich mir überlege, welche Aspekte ich in diesem Vorwort aufgreifen möchte, als erste, kurze Annäherung ans grosse Thema, dann sind es einzelne Mosaiksplitter, die mir in den Sinn kommen.

Da ist etwa das von sexueller Ausbeutung betroffene Mädchen, dessen viel zu knapp sitzende BH-Träger ihm die Schultern blutig gescheuert haben und das seine Verletzungen erst wahrnimmt, als die Bezugsperson es darauf hinweist – so fremd und abgespalten ist ihm der eigene Körper. Da ist das Bild von den Angst einflössenden «kleinen Wellen», die sie immer wieder einholen, um dann unvermittelt ganz über sie zu schwappen, das eine jugendliche Klientin von CASTAGNA für ihre traumatischen Erinnerungen gefunden hat. Und da ist die freudige Feststellung einer anderen jungen Frau, dass die seelische Wunde verheilt sei; was bleibe, sei eine sensibel reagierende Narbe, die der Pflege bedürfe.

Verletzung, Schrecken, Verlorenheit, Kraft und Hoffnung – all das liegt nah beieinander in den Beiträgen dieses Themenhefts. Eine grosse Bandbreite intensiver Gefühle – so wie es auch in der Adoleszenz der Fall ist, jener Lebensphase, in der für die Jugendlichen kaum ein Stein auf dem andern bleibt, weil die Umgestaltung ihrer selbst, ihres Lebens so umfassend ist. Wenn sie in dieser fragilen, fordernden Übergangszeit sexuelle Ausbeutung erleben oder früher erfolgte Übergriffe verarbeiten müssen, ist das eine schwerstwiegende Doppelbelastung. Sucht, Essstörungen, Selbstverletzungen können die Folgen sein. Aber gleichzeitig sind da auch viel Energie, viel Mut, viel Lebenswille.

Rund ein Drittel der Personen, die nach sexueller Ausbeutung CASTAGNA aufsuchen, sind im Jugendalter. Ihnen ist passiert, was eine Psychologin in diesem Themenheft «überdosierte Erlebnisse verlorener Selbstkontrolle und Erfahrungen des Beherrschtwerdens» nennt. Dass sie im Gespräch mit der Beraterin das erfahren können, was ihnen ein erstes Stück auf ihrer ganz persönlichen Reise Richtung Verarbeitung weiterhilft, hat mit der Fachkompetenz und dem Engagement der Mitarbeiterinnen von CASTAGNA zu tun, aber auch mit der von Zuversicht geprägten, herzlichen Atmosphäre bei der Beratungsstelle. «Wir sind auf einem guten Weg», heisst es im Tätigkeitsbericht. Wenn Sie die Fachfrauen dabei begleiten und unterstützen möchten: Der Förderverein CASTAGNA hat genau diese Aufgabe. Über eine Mitgliedschaft würden wir uns freuen.

Ursula Binggeli
Vorstand Förderverein CASTAGNA

Kontaktiere uns 044 360 90 40
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